Definitionen

Nachhaltige Siedlungen und Nachhaltige Quartiere
Neben ökologischen Aspekten, die bei Ökosiedlungen und ökologischen Quartieren im Mittelpunkt der Planung und Umsetzung stehen, werden in nachhaltigen Siedlungen und nachhaltigen Quartieren zudem ökonomische und soziale Nachhaltigkeitsaspekte in möglichst ausgewogenem Maß berücksichtigt. Eine Operationalisierung erfolgt in Planungsleitfäden oder Kriterienkatalogen. Darüber wird versucht die Nachhaltigkeit von Siedlungen und Quartieren anhand einzelner Gesamtindikatoren abzubilden.

Ökologische Siedlung / Ökosiedlung
Ökologische Siedlungen sind umweltfreundliche, Energie und Fläche sparende Siedlungen, die sich durch einen sparsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen auszeichnen. Außerdem sollen möglichst geringe Emissionen (im optimalen Fall „Null Emissionen“) durch den Bau, die Nutzung und nach Abriss der Siedlung auf den Menschen und in die Umwelt einwirken. Die ersten Ökologischen Siedlungen in Europa sind stark beeinflusst und geprägt worden von den Debatten der Baubiologie und der Umweltbewegung.

Quartier
wird in [Diercke] als „Stadtviertel“ definiert. Demnach werden Quartiere als „vor allem von der Bevölkerungsstruktur her relativ homogene, kleine bis mittelgroße Wohnviertel in einer größeren Stadt bezeichnet.“
Quelle: Diercke Wörterbuch Allgemeine Geographie

Siedlung
jede menschliche Niederlassung, die alle in irgendeiner Form gruppierten Behausungen umfasst [Brockhaus 1999/Diercke].

Abhängig von der Betrachtungs- bzw. Maßstabsebene, wird unter Siedlung Unterschiedliches verstanden:

A) In Architektur und Stadtplanung ist die Siedlung eine „Wohnbebauung“, die meist eine gestalterische Einheit bildet. Außer den Behausungen umfasst die Siedlung auch die Grundstücke, Verkehrs- und evtl. öffentliche Flächen wie z.B. Plätze und Grünanlagen. Eine Siedlung besteht mindestens aus 5 Wohneinheiten und je nach Größe aus mindestens 3 Gebäuden.

B) In Raum- und Regionalplanung sowie der Geografie wird Siedlung umfassender verstanden: sie beinhaltet die Behausungen, die Versorgungs- und Transportinfrastrukturen sowie das dazugehörige land- und forstwirtschaftlich genutzte Umland, also das komplette menschliche Habitat.

In interdisziplinären Arbeitszusammenhängen kann die unterschiedliche Verwendung des Begriffs zu Missverständnissen führen.

Der Brockhaus (1999) unterscheidet Siedlungen zudem (für ökologische Siedlungen i.d.R. nicht relevant) nach der Benutzungsdauer (Dauersiedlungen, temporäre S., saisonale S. wie z.B. Almsiedlung, Wochenendsiedlung, Nomadenlager und ephemere S., u.a. Siedlungen der Wildbeuter und Jägervölker. Formen der ländlichen Siedlung sind u.a. Einzelhof, Weiler, Dorf, Kibbuz, Agrostadt. Aufgegebene Siedlungen bezeichnet man als Wüstung.

Nach [Windler und Winkler 1950] werden Siedlungen definiert als „Einzelwohnstätten oder Gruppen von Wohnstätten mit einer gewissen räumlichen Geschlossenheit, einem räumlichen Zusammenhang, aber auch mit einer deutlichen Abgrenzung gegenüber anderen Siedlungen“. Die Grösse der Siedlung ist für ihre Abgrenzung ohne Bedeutung. Eine Stadt, ein Dorf, ein Weiler oder auch ein bewohnter Einzelhof stellen demnach Siedlungen dar. Bei der praktischen Eingrenzung von Siedlungen werden in der Regel Wohngebäude zu einer Siedlung zusammengefasst, wenn sie weniger als 100 Meter von einander entfernt liegen. Siedlungen sind damit im Allgemeinen durch mindestens 100 Meter nicht überbautes Land voneinander getrennt. Daneben müssen aber auch Höhenunterschiede, Hindernisse (Täler, Tobel, Gewässer, Bahngeleise, Strassen, Autobahnen usw.) und Verkehrsmöglichkeiten (Brücken, Unterführungen, Bahnübergänge) als trennende oder verbindende Elemente bei der Siedlungseingrenzung berücksichtigt werden.

H. Windler, E. Winkler (1950): Zur quantitativen Bestimmung von Siedlungseinheiten. In: Plan und Ortsplanung, Heft 6, S. 180 ff.

Stadt
ist eine Siedlung mit meist nichtlandwirtschaftlichen Funktionen (Ausnahme Ackerbürgerstadt), gekennzeichnet u.a. durch eine gewisse Größe, Geschlossenheit der Ortsform, hohe Bebauungsdichte, zentrale Funktionen in Handel, Kultur und Verwaltung; in größeren Städten führt die Differenzierung des Ortsbildes zur Bildung von Stadtvierteln (z.B. City, Wohnviertel, Industriegebiete). Die statistische Definition der Stadt geht nur von einer bestimmten Einwohnerzahl aus, unabhängig vom Stadtrecht; für internationale Vergleiche scheint eine Mindesteinwohnerzahl von 20.000 sinnvoll zu sein. In Deutschland unterscheidet man Klein- (5.000-20.000 Einwohner), Mittel- (20.000-100.000 Einwohner) und Großstadt (über 100.000 Einwohner) [Brockhaus 1999]. Eine zunehmende Urbanisierung der Welt drückt sich dadurch aus, dass mittlerweile mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in städtischen Siedlungen lebt.

Ökologie
Öko… (oeco Oeco [zu griechisch oikos „Haus“], Bestimmungswort von Zusammensetzungen mit der Bedeutung „Lebensraum, Haus, Wirtschaft“

oikos logos (logika): die Lehre der Beziehungen der Lebewesen

Aus der Biologie hervorgegangene Wissenschaft, die sich mit den Wechselbeziehungen zwischen den Organismen und der unbelebten (abiotischen Faktoren wie Klima, Boden) und der belebten Umwelt (biotischen Faktoren) befasst. Sie untersucht ihre zeitliche Entfaltung, Krisen in ihrer Entwicklung und Mechanismen der Wiederherstellung von Gleichgewichten.

Die Ökologie bedarf, wenn sie sich den komplexen Wechselbeziehungen zwischen den Menschen, seiner technischen Welt und dem sie tragenden Ökosystem zuwendet, der Unterstützung zahlreicher anderer Wissenschaften; hier wird die Ebene der einzelnen Fachdisziplinen verlassen. Die so erweiterte Ökologie ist die Humanökologie (sie untersucht die Beziehungen Mensch-Umwelt), die nicht als neue Fachdisziplin, sondern als das Gegenteil jeder Spezialisierung verstanden werden muss, als der Versuch, die Umweltprobleme unter Einbeziehung aller möglichen Aspekte zu lösen [MEYERS Taschenlexikon 1990].

Siedlungsökologie, Stadtökologie
Die Siedlungsökologie ist eine relativ junge Disziplin der Biologie und untersucht insbesondere die Flora und Fauna in menschlichen Siedlungsräumen. Sie begründet sich auf der Tatsache, dass aufgrund des hohen Siedlungsdrucks bzw. der zunehmenden Verdrängung ursprünglicher Tier- und Pflanzenlebensräume durch Sekundärstandorte immer mehr Tier- und Pflanzenarten gezwungen sind, ihre Lebensräume in die menschlichen Siedlungsräume zu verlagern. So findet man beispielsweise in Zürich bereits eine fast doppelt so hohe Artenvielfalt als auf landwirtschaftlich genutzten Flächen im Umland der Stadt. Ein Teilgebiet der Siedlungsökologie ist die Stadtökologie.

Literatur: Fachverband Schweizer Raumplanerinnen und Raumplaner (2003): Handbuch Siedlungsökologie: Praxisorientierter Beitrag zur ökologischen Aufwertung des Siedlungsraumes. St. Gallen
Sukopp, Herbert und Wittig, Rüdiger (1998): Stadtökologie. Spektrum Akademischer Verlag, Stuttgart

Niedrigenergiehaussiedlungen
Wohnsiedlungen, die insbesondere mit dem Hauptaugenmerk der Energieeffizienz, sowie der passiven Solarenergienutzung realisiert werden und einen Heizenergiebedarf von 70 kWh/qm*a haben.

Passivhaussiedlung
Niedrigenergiehaussiedlungen die einen Heizenergiebedarf von unter 15 kWh/qm*a haben und sich dadurch auszeichnen, dass sie ohne klassisches Heizungssystem mit Heizkörper und Heizungsanlage realisiert werden können. In der Passivhausdefinition sind auch Grenzwerte für Warmwasser und Lüftung festgelegt, die ebenfalls bei 15 kWh/qm*a liegen.

Solarsiedlungen
Niedrigenergie- oder Passivhaussiedlungen, die zusätzlich aktive Solarenergiesysteme zur Energiegewinnung nutzen.

BMVBS „Effizienzhaus Plus“
Endenergetische Plus-Energiebilanz

Plusenergiesiedlungen
Solarsiedlungen, die mehr Energie über das Jahresmittel erzeugt als sie selbst nutzt
=> siehe auch Plusenergiesiedlungen

Plusenergiequartiere
Plusenergiesiedlungen, die neben der reinen Wohnbebauung auch einen nennenswerten Anteil (>15% der GFZ) von Gewerbebauten innerhalb des Neu-/Baugebiets beinhalten

Wohnprojekt
Anknüpfend an die Selbsthilfebewegungen seit den 70er Jahren wollen Wohnprojekte der herkömmlichen Wohnungspolitik Alternativen gegenüberstellen, die „bunt, quer und anders“ sind. Ziele sind:

  • Revitalisierung der Genossenschaftsbewegung im Sinne von Selbstverwaltung und Eigeninitiative (langfristiger Entzug des Wohnraums aus dem Spekulations- und Erbstrom)
  • Förderung der Wohnzufriedenheit durch mehr Identifikation mit der Wohnung und dem Wohnumfeld
  • Förderung der Bewohnerbeteiligung an Planung und Verwaltung der Wohnungen
  • Entwicklung von selbstbestimmten Nachbarschaften, um solidarisches Handeln zu fördern und soziale Netze aufzubauen
  • Integration von sozialen und kulturellen Initiativen und Entwicklung von wohnungsnahen Beschäftigungs- und Arbeitsmöglichkeiten
  • Dauerhafte soziale Bindungen preisgünstiger Wohnungen.

Siehe hierzu u.a. www.wohnbund.de/index.php/ziele

Ökodorf
will möglichst alle menschlichen Bedürfnisse oder Aspekte menschlichen Lebens auf ökologische, nachhaltige Weise weitgehend vor Ort und in kleinen, überschaubaren Zusammenhängen und Lebenswelten (mit rund 300 Personen) erfüllen. In ökologischen Siedlungen ist im Vergleich zu z.B. ökologischen und vor allem spirituellen Gemeinschaftsprojekten der Verbindlichkeitsgrad der Bewohner untereinander wesentlich geringer. Es handelt sich um eine bewusste und freie Entscheidung für ein gemeinschaftlicheres Zusammen(wohnen) oder -leben. Sie werden auch als intentionale oder Wahl-Gemeinschaften bezeichnet [EUROPTOPIA 2004].