Preiswertes ökologisches Bauen

Auch wenn diese Studienarbeit 1997* erstellt wurde, bleiben die ihr zugrunde liegenden inhaltlichen Aussagen weitgehend bestehen. Deshalb lasse ich die Arbeit online. Betrachtet man die dargestelten Baukosten der ökologisch ambitionierten Siedlungsprojekte bis 2005 (siehe Abschnitt 9), kommt die Frage auf, warum die Baukosten in den letzten 10 Jahren so stark gestiegen sind? Die Baukostensteigerungen sind ungeachtet der Baustoffe und Technologien bei allen Bauprojekten zu beobachten. Sie sind also nicht alleine auf ökologische Anforderungen zurück zu führen, die nach wie vor in weiten Teilen NICHT gesetzlich vorgeschrieben sind (aber von Bauherren gewünscht sind).

*(es handelt sich auf dieser Webseite um die gekürzte Fassung, ohne akademischen Teil. Die komplette Fassung gibt es hier)

1. Begriffklärung: welche Baukosten sind gemeint?

Baukostenvergleiche anzustellen sind sehr schwierig, da meist nicht alle Faktoren für das Entstehen eines Preises bekannt sind. Im folgenden eine Kostprobe wie stark sich die Gesamtbaukosten regional unterscheiden bzw. in welchen Bereichen große Einsparpotentiale liegen.

Bei einer Gesamtkostenbetrachtung einer Studie zu einem Wohn- und Gewerbebauprojekt fallen insbesondere die hohen Anteile für Management, Finanzierung, Bauträger und Vertrieb auf. Insgesamt 31%. Wenn also über erhebliche Einsparungen bei unserem Baugeschehen nachgedacht werden soll, muß unweigerlich über Aufgaben- und Risikoverteilung, Vertragsgestaltung und Ausführungszeiten nachgedacht werden [S. 190 (4)].

Weiterhin können im sparsamen Umgang mit Bauland größere Kostensenkungen erzielt werden, als an der Qualität der Baumaterialien zu sparen. Ca. 25% der Bausumme gehen im Schnitt in das Grundstück. Viel entscheidender für die Gesamtkosten können auch die regionalen Preisunterschiede sein. Zum Vergleich: ein qm Bauland kosten
in Stuttgart: 750 Euro
in Karlsruhe: 275 €
in Bremen: 95 €
[imu, Stuttgarter Zeitung Nr.143]

Auch die Wohnungskosten können regional verschieden sein: Eine 3-Zimmer-Whg. mit 70 qm und mittlerem Wohnwert kostete 1997 im Schnitt:
Düsseldorf: 158.000 € (ca. 2.250 €/qm WF)
Stuttgart: 115.500 € (ca. 1.650 €/qm WF)
Braunschweig: 84.000 € (ca. 1.200 €/qm WF)
[imu, Stuttgarter Zeitung Nr.143]

Welche Baukosten sind gemeint?
Außerdem sei darauf hingewiesen, das in vielen Veröffentlichung nicht genauer angegeben wird, welche Baukosten genannt werden. Mit oder ohne Grundstück? Brutto oder Netto? Mit Keller oder ab Oberkante Keller (im Fertighausbau z.B.),… usw. In diesem Text gebe ich diese Angaben mit an, soweit sie in den Quellentexten angegeben waren.

2. Ökonomie des Wohnens: Stadt oder Land?

Ein 300 qm großes Grundstück, normale Wohnlage, kostet in der Stadt durchschnittlich 78.000 Euro (260 Euro/qm, Stand: April 1995). Ca. 40 km außerhalb der Stadtgrenze kostet der qm nur noch geschätzte 150 Euro. Der Käufer muß also für 300 qm nur noch 45.000 Euro bezahlen, spart beim Grundstückserwerb somit 33.000 Euro. Ist der Käufer auf das Auto angewiesen, un zu seinem 40 km entfernten Arbeitsplatz zu kommen, betragen die monatlichen Fahrtkosten mit einem Mittelklassewagen ca. 235 Euro. Rechnet man diese Kosten auf 20 Jahre hoch, zahlt der Fahrer ca. 57.000 Euro für das Auto. Der Spareffekt beim Grundstück reduziert sich bereits im 12. Jahr auf null, in 20 Jahren entstehen Mehrkosten in Höhe von ca. 24.000 Euro.

3. EU-Studie „Stadt ohne Auto“: 50- 80% Kosten einsparbar

Was es für eine ganze Stadt bedeutet, auf eine Mobilität ohne Auto zu setzen, wurde in einer Studie „Citta senz´auto“ (Stadt ohne Auto) der Europäischen Gemeinschaft 1992 veröffentlicht. Darin wurde für verschiedene Stadtgrößen berechnet, wie sich die Kosten einer Stadt, die die Mobilität ganz mit öffentlichen Verkehrsmitteln organisiert, zu den Kosten verhalten, die aus der üblichen Mobilitätsorganisation mit ÖPNV und PKW´s resultieren. Das Ergebnis ist frapierend: je nach Größenordnung betragen die Mobilitätskosten von Städten, die ganz auf den öffentlichen Verkehr setzen, zwischen 50 % und 20 % der Kosten der Städte, deren Mobilität gleichzeitig auf öffentlichen und Automobilverkehr basiert. Das ist nur eine Modellrechnung, die ein Problem hat: in die Berechnungen gehen neben den öffentlichen Investitions- und Unterhaltungsausgaben für die verschiedenen Verkehrssysteme auch die Kosten für die privaten PkW (Kaufpreis, Unterhaltung, Steuern,…) ein, also die Ausgaben des privaten Konsums, (der real nicht von der öffentlichen Hand bezahlt wird) [T. Krämer-Badoni „Stadtquartiere ohne Autos“ S.4].

4. Lebenszyklusbetrachtung / Ökobilanzen

Eine Öko- und Kostenbilanz müßte, wie Holger König in der Zeitschrift Gesundes Bauen und Wohnen 60/1996, S.36 ff, ausführte, eine gesamte Produktlinienanalyse zugrunde legen können, welche die Stoffbildung (Gewinnung, Herstellung), den Stoffgebrauch (Verarbeitung, Nutzung) und die Stoffauflösung (Beseitigung, Rückführung) umfaßt, erweitert um die Aspekte der Umgebung eines Bauwerkes.
Entscheidend für eine ökologische und ökonomische Bauweise ist in erster Linie der sparsame Umgang mit Baumaterialien beziehungsweise die Reduktion der Materialmenge auf das notwendige Minimum und in zweiter Linie die Materialwahl. Die Kombination und zweckmäßigen Fügungen (Profil) von aus ökologischer Sicht günstigen Baumaterialien sind entscheidend für das Gesamtresultat. Je länger die Haltbarkeit von Baumaterialien innerhalb ihrer Fügungen zu Baukonstruktionen angenommen werden kann und keine dauerhaften Materialien zerstört werden müssen, um weniger dauerhafte auswechseln zu können, verlängert sich insgesamt die ökologische Rückzahldauer von Gebäuden. Ein wichtiges Element bei der Ermittlung der ökologischen Rückzahldauer sind die Abschreibezeiten der Materialien auch aus ökonomischer Sicht. Wenn die Dauerhaftigkeit der Baukonstruktion parallel zu den Abschreibezeiten eingesetzt wird, fallen die kostenmäßigen Unterschiede der verschiedenen ökologisch günstigen Varianten kaum ins Gewicht.

Z.B. Entsorgungskosten
Grobe Modellrechnungen haben gezeigt, daß z.B. bei einem größeren Bauvorhaben von ca. 20.000 m3 umbauten Raum etwa 40 bis 50 Abfallcontainer mit insgesamt 400 m3 Abfällen entsorgt würden, was ohne Sortierung und Vermeidung z.B. in Frankfurt fast 35.000 € Deponiegebühren kosten würde. Bei einer Abfallreduzierung um 25% und recyclinggerecht sortierter Entsorgung könnten diese Kosten auf unter 10.000 € verringert werden, dh. etwa 25.000 € sind einsparbar. Der Aufwand für Abfallvermeidung und Sortierung wurde nach Praxiserfahrungen mit Kosten zwischen 10.000 und 20.000 € berechnet. Damit wird der Aufwand durch die Deponiekosteneinsparung ausgeglichen oder sogar weit übertroffen [S.220 (4)].

Bei folgenden Bewertungsprogrammen werden Kosten- und Ökobilanzbetrachtungen bilanziert:
=> BauBioDataBank
von ECOHB (Europäische Kooperation der Organisationen für gesundes Bauen und Wohnen).
=> Ecopro, in Entwicklung von Prof. Kohler/ ifib (Institut für industrielle Bauproduktion), Uni Karlsruhe zusammen u.a. mit Holger König/ öko+ Fachhandelsverband für Ökologie- und Bautechnik
=> LEGEP, Lebenszyklus von Gebäuden unter ökologischen Gesichtspunkten

5. Externe Kosten

Das Fraunhoferinstitut ISI in Karlsruhe hat für das Jahr 1993 berechnet, daß die externen Kosten, die durch die gesamte Güterproduktion in der Bundesrepublik entstehen, ca. 305 Mrd. € betragen, was ca. 20% des Bruttosozialproduktes entspricht. Wenn man sich nur an die Zahlen hält, könnte jedes Produkt 20% mehr Kosten und würde immer noch kostenneutral sein, wenn es keine externen (soziale oder ökologische) Kosten mehr verursacht. Aufwendungen zur Beseitigung der (Umwelt-) Schäden sind erfahrungsgemäß immer teurer, als der Betrag der Schäden [S.28 (4)]. Immerhin rechnet die Bundesregierung in ihrem aktuellen 3. Bauschadensbericht mit jährlichen volkswirtschaftlichen Verlusten in Höhe mehrerer Milliarden € [S. 78 (1)].
Und sogar Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter kommt am 23.4.1996 im Handelsblatt zu der Einschätzung: „Unser ökologisches Schuldenkonto ist überzogen, und wir merken es nicht, da wir unsere Zukunft nicht bilanzieren.“

Externe Kosten, die von der Allgemeinheit getragen werden müssen, sind z.B.:
* Versicherung: z.B. Gesundheitswesen
* Risikoversicherung für Industrie
* Belastung von Luft, Wasser, Boden
* z.B. Tankerunglück
* Trinkwassergewinnung (aufwendige Wasseraufbereitung)
* Bauschäden durch Luftschadstoffe
* Krankheitsausfälle,…

Es scheint als würde der Wert der Natur und Umweltgüter nicht erkannt. Oder wie es Binswanger [1979, 170] kommentiert: „Es war als hätte man dem Boden und damit überhaupt der Natur eine Tarnkappe angezogen, die sie unsichtbar macht.“ [S.99, Verelendung durch Naturzerstörung]

Durch verschiedene Berechnungsmethoden versucht man solche externen (soziale, ökologische) Kosten zu internalisieren bzw. zu monetarisieren:
GEMIS 2.0 Berechnet externe Kosten die durch Luftschadstoffe und Treibhausgase entstehen.
Z.Bsp. verursacht eine Tonne CO2 25 € externe Kosten, oder 1 Tonne SO2 2.500 €.
Entwickelt von IWU Darmstadt +GhKassel; kostenlos im Internet
Jedes Auto wird von der Allgemeinheit mit 3.000 € pro Jahr bezuschußt. Damit reißt der Straßenverkehr ein größeres Schuldenloch in den Staatshaushalt als die Bundesbahn. [natur 3/ 91 S.70 Studie des Heidelberger Umwelt-und Prognose-Institut (UPI)].
Unter die externen Kosten gehören ebenso die Verwendung gesundheitsschädlicher Baustoffe. Die Krankheitskosten werden von der Allgemeinheit (Krankenkasse) gezahlt und nicht vom eigentlichen Verursacher dem Baustoffproduzenten. Nur wenige Baustoffe sind im Hinblick auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit hin überprüft. Erst bei Skandalen wie etwa „Lindan, PCB, Formaldehyd, Asbest,…“ werden Untersuchungen zur Gesundheitsverträglichkeit durchgeführt. Dies ist u.a. ein generelles Problem der Produkthaftungsfrage in Deutschland.
Grenzen der Monetarisierung: Vieles läßt sich nur unzureichend oder gar nicht monetarisieren: wieviel wert ist Naturerleben an sich? Oder was kostet das Aussterben einer Tier- oder Pflanzenart? Dies sind ethische Fragen, die monetär nicht zufriedenstellend gelößt werden können.
Ökologische Steuerreform als Anreiz zum ökol. Bauen
Eine ökologische Steuerreform – Verteuerung von Energie- und Ressourcenverbrauch, Senkung der Arbeitskosten und Abschaffung der Mehrwertsteuer- wäre ein entscheidender Beitrag, um schon heute eine umweltfreundichere Bauweise massiv zu fördern. Die Verteuerung von Transportenergien beispielsweise, fördert das Bauen mit regional verfügbaren Materialien. Da Arbeitskraft billiger wird und Material teurer würde, werden Anreize geschaffen Material durch Intelligenz zu ersetzen, usw., usf.

6. Drei Vorurteile

1. Die pauschale Aussagen, ökologisches Bauen sei nicht teurer als der herkömmliche Baustandart oder aber, es sei in jedem Falle teurer – je nach Ideologie – sind daher beide unhaltbar. Hier ist eine Versachlichung der Diskussion geboten, die auf sorgfältig aufbereiteten Fakten bezüglich der Beurteilung von Bauelementen und deren Einzelkosten basieren muß [S. 69 (1)].

2. Das ökologisches Bauen dreimal so teuer sei wie herkömmliche Methoden, wie immer wieder behauptet wird, ist schlichtweg falsch. Teure Demonstrationsprojekte, wie das Energieautarke Solarhaus (ca. 750.000 €, davon die Hälfte alleine für die Solarwasserstofftechnik) oder das Experimentierhaus „Heliotrop“ (Kosten: ca. 450.000 € für 91 qm Wohnfläche und 117 qm Arbeitsräume) in Freiburg von Rolf Disch, haben einen zwar hohen Bekanntheitsgrad, bilden aber die Ausnahme. Der Modellcharackter rechtfertigt dabei die hohen Kosten.

3. Vielfach wiederholten gegenteiligen Behauptungen zum Trotz darf festgestellt werden, daß unser heutiges ökologisches Wissen mehr als ausreicht, um auf der Ebene einer Stadt ein sachlich und räumlich ausreichend differenziertes ökologisches Zielsystem zu beschließen. Die Behauptung, die Ökologie als Wissenschaft sei noch nicht soweit, ist schlicht falsch. Über ökologische Zusammenhänge ist heute sehr viel mehr bekannt als über viele andere Politikbereiche. Worauf es ankommt, ist der Wille, ökologische Ziele politisch-normativ zu beschließen und sie mit einer über den Tag hinausreichenden Verbindlichkeit auszustatten [Zukunft Stadt 2000, S. 371, Wüstenrot Stiftung Deutscher Eigenheimverein e.V.; Dokumentation und Zusammenfassung einer Expertentagung 1992 der Bundesregierung und 6 Expertisen im Auftrag der Wüstenrotstiftung].

7. Wo ist ökologisches Bauen teurer und warum?

* Leute können es sich oft leisten teuer zu bauen. Daraus wird abgeleitet, das ökologisches Bauen generell teurer sei. Überzogene Standardvorstellungen bei BauherrInnen und PlanerInnen
* wenig Erfahrungen von Seiten der Planer und Handwerker
* höherer Planungsaufwand, der nicht honoriert wird (HOAI)
* fehlende Standards
* Ökologische Baustoffe sind teilweise noch aufgrund der geringen Produktionsmengen teurer
* Herstellung ökol. Technologien teuerer
* Begrünte Dächer: konstruktiver Mehraufwand
* doppeltes Leitungssystem für Brauch/ Trinkwasser
* mehr Dämmaßnahmen
* Wintergärten zur passiven Solarenergienutzung sind teuer und sind allein durch Energiesparaspekte nicht zu begründen.
* Zertifizierung von Baustoffen z.B. „öko+“ ist Mehraufwand

 

8. Baukosten-Kennwerte aus Studien

Das Thema preiswertes ökologisches Bauen ist, sehr umfangreich bearbeitet worden. Verschiedene Vergleichsstudien und Übersichtsliteratur über realisierte Projekte vermitteln einen guten Überblick über die Baukosten-Thematik. Einige der prägnantesten Aussagen fasse ich im Folgenden zusammen:

„Ökologisches & wirtschaftliches Bauen in der Praxis.“ Tagungsband Ökobau-Kongreß 1996 (siehe Literaturquelle 1)
In diesem Tagungsband ist eine Studie des Landesinstitut für Bauwesen, Aachen, (im Auftrag des Ministeriums für Bauen und Wohnen NRW) veröffentlicht, die verschiedene vom Land NRW geförderte Projekte im ökologischen und kostengünstigen Bauen miteinander vergleicht. Für die Angaben wurden Baukostenwerte von etwa 25 Projekten ermittelt, die aus dem Gesamtvolumen von mehr als 100 Projekten beispielhaft ausgewählt wurden. „Aus den aufgeführten Erfahrungswerten ist die Tendenz ablesbar, daß es möglich ist, den üblichen Baukostenrahmen auch im umweltgerechten Bauen deutlich zu senken.“ [S.69 f] Der oben genannte Ökobaukongreß wurde organisierte und moderiert durch das Öko-Bau Institut für ökologisches & wirtschaftliches Bauen, Krefeld. Es hat langjährige Erfahrungen mit ökol. Planungen für Neubauten, Umbauten und Städtebau gesammelt und schreibt: „Die Erfahrung lehrt uns, daß die Kosten von ökologischen Projekten mit denen des konventionellen Bauens konkurrieren können. Die Baukosten sind, trotz höherer Qualität, gleich. … Die größten wirtschaftlichen Vorteile des ökol. Bauens liegen in den Gebrauchs- und Folgekosten. Je konsequenter die Prinzipien des ökol. Bauens durchgeführt werden um so mehr kann in diesen Bereichen gespart werden.“ (siehe Literaturquelle 2)

Tagungsband „Kostengünstig ökologisch planen und bauen“
(Literaturquelle 3): „Es gibt genug Beispiele für Projekte, die sich neben ihren günstigen Kosten auch durch eine hohe ökologische Qualität auszeichnen.“ Dr. Michael Vesper, Minister für Bauen und Wohnen NRW (S.14)
In diesem Tagungsband ist ein Ergebnisbericht des Forschungsauftrages des Landes NRW „Neue Lösungen kostengünstigen Wohnungsbaus in NRW“ (S.77 ff) enthalten. „Gegenstand sind Wohnungsbauprojekte, die unter der Kostenobergrenze von 900 €/qm Wohnfläche bleiben. Bemerkenswertes Ergebnis dieser Forschungsarbeiten ist, daß in Beispielen des Geschoßwohnungsbaus die reinen Baukosten bei den Projekten, die viele ökologische Maßnahmen aufweisen, nicht höher liegen als bei den Projekten mit geringerer ökologischer Qualität. Und für noch interessanter halte ich das Ergebnis, daß gerade Projekte mit einem ganz geringen Anteil ökologischer Maßnahmen sich im internen Kostenwettbewerb nicht so gut behauptet haben. Es geht also ökologisch zu bauen und gleichzeitug kostengünstig zu bauen.“ (S.14)
„Der Eindruck entsteht, daß ökologisch motivierte Planung auch rationalere und deshalb vielleicht kostengünstigere Ergebnisse erzielt als konventionelles Bauen.“ (S.83)

„Die Wirtschaftlichkeit des Ökologischen Bauens“, Tagungsband zur „terra-bau“ 1995 in Hannover (siehe Literaturquelle 4)
„In den letzten Jahren wurden viele Maßnahmen des ökologischen Bauens verfeinert und optimiert. Es wurden Maßnahmen und Modelle entwickelt, die versuchten den Kostenfaktor zu reduzieren. Ob und wie das möglich ist und worauf hierbei besonders geachtet werden muß, wird dieser Kongreß anhand vieler Beispiele aus der Praxis demonstrieren. Es soll gezeigt werden in welchen Bereichen der Einsatz neuer Technologien sinnvoll ist, um eine Kostenreduktion im Kontext des ökologischen Bauens möglich zu machen, aber auch wo diese Technologien noch weiter entwickelt werden müssen.“ (S.1)„Was mich immer ein wenig verwundert, ist die Hartnäckigkeit, mit der sich zumindest in Deutschland das Vorurteil hält, kostengünstiges und ökologisches Bauen seien Gegensätze. Wir wissen, daß diese Aussage – so pauschal jedenfalls – schlicht falsch ist. … Wenn dies einmal klar ist, dann brauchen wir eigentlich nur noch bei den vielen Skeptikern Überzeugungsarbeit zu leisten.“ (S. 107)

Studie „Ökologischer Siedlungs(um)bau (siehe Literaturquelle 5)
Kapitel: Kosten- und Nutzenanalysen
Wie die Erfahrungen bei der Wohnsiedlung „Waldquelle“ in Bielefeld zeigen, ergibt sich ab ca. 100 Wohneinheiten immer ein positives wirtschaftliches Ergebnis, wenn durch Reduzierung des Erschließungsaufwandes in eine dezentrale Eigenversorgung auf einer Großparzelle investiert wird.“ [S.7, Kap.VIII (5) ]Kapitel: Umsetzung dezentraler Systeme
In diesem Kapitel werden dezentrale ökologische Siedlungskonzepte mit konventionellen verglichen. Als Untersuchungsprojekte wurden die Zahlen der Ökol. Siedlung „Waldquelle“ und einer geplanten Siedlung in Hamm-Heessen verwendet. Im Vergleich von Energiekosten ergeben sich folgende Werte:Betrachtung der Investitionskosten: Die günstigste Variante ist die eigene Ver- und Entsorgung auf der Großparzelle durch BHKW mit 1.534 € pro m2 Wohnfläche, die zweitgünstigste ist die eigene Ver- und Entsorgung auf der Großparzelle durch Solarwärme mit 1.674 €/ m2 Wohnfläche. Erst danach kommt die heute übliche öffentliche Ver- und Entsorgung mit 1.781 €/ qm Wohnfläche auf dem Einzelgrundstück und 3.594,-Dm/qm Wohnfläche auf der Großparzelle. Ganzhintenrangiert ökonomisch gesehen der Einzelbauherr in der Region Hamm, der für eine herkömmliche Doppelhaushälfte Mittelwerte von 1.874 €/ qm Wohnfläche und Maximalbeträge von 2.234 €/ qm Wohnfläche zahlen muß.Betrachtung der Betriebskosten: Für die Bewohner einer Doppelhaushälfte, die an das Eigenversorgungssystem angeschlossen sind, ergibt sich durch die Solarwärmenutzung auf der Großparzelle bereits zum Zeitpunkt des Nutzungsbeginns eine Kostenersparnis bei den Betriebs- und Nebenkosten in Höhe von rd. 1.042 € jährlich. Dies entspricht rd. 85 € monatlich, gegenüber der herkömmlichen Fremdversorgung.Wenn eine ganzheitliche Kostenanalyse – die Investitions- und Betriebskosten einschließt – durchgeführt wird, dann zeigt sich, daß die Anzahl der Jahresmieten zur Deckung der Investitionskosten bei der Eigenversorgung mit Solarwärme ca. 7 Jahre früher erreicht wird als bei der öffentlichen Versorgung. [S. 12 Kap.VIII]Die größte Herausforderung für die Vorbereitung und Umsetzung weiterer Projekte besteht im hohen Diskussions- und Kommunikationsaufwand zwischen allen Projektbeteiligten. Der ganzheitliche Ansatz des Projektes muß sowohl in die Vorbereitung wie auch in die Abwicklung der Aufgabenstellung (Qualitäten, Quantitäten, Kosten und Termine) miteinfließen, damit das Gelingen des wirtschaftlichen und finanzierbaren Konzeptes garantiert werden kann.

Studie „Zukunftsweisender ökologischer Siedlungsbau in Europa – ein Erfahrungsbericht“ (siehe Literaturquelle 6)
In dieser Studie wurden ökologische Siedlungen in Europa verglichen und deren Erfahrungen dokumentiert. Zu den Baukosten wird folgendes festgestellt:Aufgrund des regional sehr unterschiedlichen Preisniveau, der verschiedenen Jahrgänge und Baukonzepte können die Baukosten je m2 Wohnfläche nicht sinnvoll verglichen werden. Tendenziell kann aber festgestellt werden:
– je mehr Technik, desto höhere Investitionskosten,
– je mehr Technik, je höher die Folgekosten,
– Nutzung örtlicher Ressourcen und Gegebenheiten reduziert die Kosten,
– zahlreiche ökologischen Aspekte sind ohne Mehrkosten zu haben
– vieles was zu Anfang teurer ist oder länger dauert, macht sich langfristig bezahlt,
– der Imagegewinn für Städte, Bauherrn und Architekten durch die Realisierung ökologischer Siedlungen ist unbezahlbar!Wie das Beispiel „Puchenau“ (750 WE) zeigt, können viele grundlegende Ziele und Prinzipien des ökologischen Städtebaus ohne finanzielle Mehraufwendungen gegenüber dem herkömmlichen Städtebau umgesetzt werden. Aber auch die Umsetzung weitergehender Ziele scheint in einem Kostenrahmen möglich, der ökologischen Siedlungsbau auch in größerem Maßstab im sozialen Wohnungsbau zuläßt. In nahezu allen Projekten führten aus der Bauherrensicht „hohe ökologische Ziele“ und damit verbundene höhere Kosten jedoch auch zum Verzicht auf einzelne ökologische Maßnahmen. Bauherren und Investoren, die für ökologische Maßnahmen eventuelle schmalere Gewinne akzeptieren und nach ihrem Verständnis ein größeres Risiko eingehen, sind derzeit noch die Ausnahme.“ Besonders schlechte Erfahrungen wurde bei einer Siedlung in Österreich gemacht, deren Planung von einem ökologisch versierten Architekten (Helmut Deubner) war, die Ausführung allerdings einem konventionellem Bauträger übertragen wurden.

„Leitbilder für ökologisches Bauen. Auswertung realisierter Siedlungen und Einzelhäuser.“ (siehe Literaturquelle 7)
Sechzehn Projekte von insgesamt 100 erfassten Projekten in ökologischer Bauweise, kamen in die Endauswahl, davon zehn Siedlungsprojekte und sechs Einzelhäuser. Auswahlkriterium der Untersuchung war ein möglichst umfassendes Ökologiekonzept, nicht die Kostengünstigkeit. Es zeigte sich im Vorauswahlverfahren, das in der Gemeinschaft gebaute Wohnanlagen ökologische Lösungen zulassen, die beim Einzelobjekt aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu realisieren sind, wie z.B. Pflanzenkläranlagen oder Blockheizkraftwerke.Durch Eigenleistungen sind in sieben Siedlungen und bei drei Einzelhäusern die Kosten stark reduziert worden. In einem Projekt waren zwar die Eigenleistungsanteile hoch, durch die Personalintensive Lehmbauweise (Strostampflehm) konnten jedoch keine Kosten eingespart werden. Baukosten unter 1.000,- €/qm als reine Brutto Baukosten gab es in sieben Fällen. Mit Ausnahme eines gut geförderten Projektes und eines Projektes mit 1/3 Eigenleistungsanteilen, handelt es sich um Bauprojekte, die kein hohen Zusatzinvestitionen in ökologische Techniken getätigt haben. Eine ausführliche Darstellung wie die Kosten im ökologischen Bauen gesenkt werden können, sind ab S. 267 ff aufgeführt.

Positionspapier „Ökologisches Planen und Bauen“ (siehe Literaturquelle 8)
Die Internationale Bauaustellung Emscher Park geht davon aus, daß ökologische Bau- sowie Ver- und Entsorgungsweisen volkswirtschaftlich grundsätzlich eine positivere Bilanz aufweisen als konventionelle Systeme. Dieser positive volkswirtschaftliche Effekt läßt sich für die betriebswirtschaftliche Einzelrechnung nicht immer in gleichem Maß nachweisen:
– am ehesten noch bei solchen ökologischen Maßnahmen, die „Stand der Technik“ sind und investiv keine oder nur geringe Mehrkosten im Vergleich zu konventionellen verursachen; hierher gehört auch schlicht der Verzicht auf bestimmte umweltbelastende Stoffe oder Techniken;
– weniger bei solchen ökologischen Maßnahmen, die zwar inzwischen auch „Stand der Technik“ sind, aber kostenmäßig noch deutlich über den konventionellen liegen (im Investitions- oder Betriebsbereich) und deren Amortisationszeíten entsprechend länger sind;
– nur in Ausnahmefällen bei solchen ökologischen Maßnahmen, die aufgrund ihres Pilot- oder Modellcharackters kostenmäßig gesondert zu behandeln sind, weil z.B. Begleitforschungs- und Entwicklungsgelder mit eingerechnet werden müssen

Broschüre: „Möglichkeiten zur Kostenreduzierung im Wohnungsbau“ (siehe Literaturquelle 9)
Darin werden 56 Siedlungen und deren Kosten dokumentiert. Es handelt sich um kostengünstige Siedlungen, jedoch sind auch mehrere ökologische Siedlungen darin enthalten. Leider ist nicht genauer erläutert welche Baukosten gemeint sind. Ich nenne hier die Preise aus der Broschüre, auch wenn sie teilweise sehr unrealistisch erscheinen:
=> „Lindenwäldle“ (S.26), Arch. Rolf Disch, Freiburg. 1985. Baukosten pro qm: 394 €/qm, Selbsthilfe: 49 €/qm (Gesamtbaukosten je Haus mit durchschnittlich 150 qm: 59.000 €)
=> „Bad Neuenahr-Ahrweiler, Eichenweg 1-9″ (S.32), Architekturwerkstatt ac, Baukosten: 792 €/qm (1987)
=> „Herzogenrath, Haus-Heyden-Hof“ (S.44), Planungsgruppe „Alte Windkunst“, Baukosten: 580 €/qm (1987)
=> Wohngruppen „Tränkematten„und „Buchenhof“ (S.66), Arch. Reiner Probst, Freiburg. Baukosten pro qm: 682/ 723 € (1985/ 1990)

Ökologische Architektur – ein Wettbewerb“ (10)
In diesem Buch sind 40 ökol. Wohngebäude und Siedlungen dokumentiert, deren reine Baukosten (gemäß DIN 276) 1.400 € (brutto) pro qm Wohnfläche unterschreiten. Alle Projekte sind nach 1992 gebaut. Von den 40 Projekten sind:
* 16 Projekte mit Baukosten unter 1.150 €/m²
* 8 Projekte unter 1.000 €/ qm realisiert worden
* das kostengünstigste Gebäude „Wohnhaus in Kaufbeuren“, kostete 785 €/ qm (allerdings wurde der Selbsthilfeanteil nicht angegeben). (S. 85)Die prämierten Arbeiten zeigen, daß energiesparendes und ökologisches Bauen zu erschwinglichen Preisen möglich sind. Die im Buch angegebenen Werte beziehen sich auf die Angaben der Architekten.

 

9. Beispiele für preiswert ökologisch realisierte Projekte

Von rund 180 mir bekannten Siedlungen mit ökologischen Zielsetzungen, liste ich im folgenden auffallend preiswerte Projekte auf:

  Name mit Kurzinfo
(Fotos siehe: siedlungen.eu/…)
Größe
Bezugs-
jahr
Baukosten je m² Wohnfläche
1.
Holzbausiedlung „Ingolstadt“ Permoserstrasse (Siedlungsmodelle Bayern), Archi. Widmann und Schröder
132 WE
+2 Gem.-
häuser
1994
795 €/qm
2.
Einfach und selber Bauen Selbstbau-Siedlung Lünen

1.464 €/qm komplett inkl. Grundstück (Erbpacht), Erschließung, Nebenkosten

Eigenleistungsanteil im
Schnitt: 13.750 €/WE

30 WE
1997

840 – 884 €/qm

3.
Holzbausiedlung Sulzbach-Rosenberg
Grafmühlstraße. Architekten: Fink + Jocher, München. Modellvorhaben: „Wohnen in Holzbauweise“
36 WE
1995
879 €/qm
4.
Nürnberg-Zerzabelshof (Siedlungsmodelle Bayern), viergeschossiger Holzbau
44 WE
1996
900 €/qm
5.
Solargarten Munzingen bei Frbg., Rolf Disch.
10 WE
1993
950 €/qm
6.
Lichtblick-COOP Leutkirch, A. Dransfeld, Wärmedämmung aus Kali-Wasserglasgedrängten Holzspähnen, Holzschnitzel-Einzelöfen, Sonnenkollektoren, vorgefertigte Holztafelbauweise, hoher Eigenleistungsanteil möglich durch einfache Holzbaudetails
6 WE
1995

950 €/qm

(inkl. Grundstück!)

Die Baukosten lagen zwischen 775 €/qm
und 1.250 €/qm

7.
„Moorwiesensiedlung“, Kiel-Hassee, Werkgemeinschaft für Architektur + Städtebau (Heidrun Buhse, H.Schulze, u.a.), Gem.haus, Kindergarten, Archi.büro, Schilfkläranl., Kompost-WC´s, keine Betondecken, Holzständer, Lehm, BHKW, soziales Siedl.konzept
21 WE
1994

1.100 €/qm

inkl. Selbsthilfe
+ ca. 250 € für
Gemeinschafts-einrichtungen
(inkl. Ver- und Entsorgung)

8.
„Waldquelle“, Bielefeld-Quelle, Architekt:  Hans-Friedrich Bültmann,   BHKW, Nahwärmenetz, Komposttoiletten, eigene Trinkwasserquelle, z.T. viel Eigenleistung
130 WE
1996
1.100 €/qm
9.
Baubiologische Siedlung „Schafbrühl“ Tübingen: Eble, Sambeth, Oed, Häfele, Tübingen, GFZ 0,9

Die Siedlung „Auf dem Schafbrühl“ wurde im Rahmen des sozialen Wohnungsbau realisiert. Auslösend für die Wünsche des Bauherrn, die Karlsruher Lebensversicherung, insbesondere nach Qualität, waren die Erfahrungen mit dem Reparaturaufwand der schlechten Bausubstanz bisheriger, herkömmlicher Mietobjekte – Hochhäuser mit Schallproblemen und beschädigten Flachdächern, Betonsanierungen etc. – deren Wartungsintensität und die ständige Auseinandersetzung mit den unter den Bauschäden leidenden Bewohnern. Langfristig gesehen versprach sich der Bauherr darüber hinaus eine bessere Wirtschaftlichkeit, da nach bisheriger Kenntnis traditionelle Baumaterialien langsamer altern und billiger wieder instandsetzbar sind. Ein weiteres Kriterium war der deutlich höhere Wohnwert einer ökologischen Siedlung, der letztlich zu einer dauerhaften Vermietung ohne ständige Fluktuation der Bewohner führt.“ [(6) Teil 8/ 5.3, S.5]

111 WE
1985

1.223 €/qm

Der Kubikmeter umbaute Raum betrug ca. 192 €. Das bedeutet im Vergleich zu anderen Wohnbauten 1985 ca. 10% Mehrkosten
[(6) Teil 8/ 5.3, S.24]

10.
Ökologische Siedlung „Geroldsäcker“, Karlsruhe: Arbeitshaus, Gem.haus, Food-Coop, Festplatz, autofreier Siedlungsbereich, Spielplatz, Solararchitektur
40 WE
1993
1.300 €/qm
11.
Berlin Adlershof: Bauherrengemeinschaft „LEBENS(t)RAUM Johannisthal
15 WE
2005

1.550,- €/qm

unter Einbeziehung der Baukosten, Baunebenkosten, Grunderwerb zzgl. Grunderwerbssteuer und Notar sowie Bauherrenkosten während der Bauzeit

12.
Wohnbebauung „Niederholzboden“, Basel-Riehen: Metron-Architekten/Brugg, preiswertes energiesparendes Bauen, Gemeinschaftshaus
46 WE
1994
1.600 €/qm
(= 2.550 Sfr/qm)


10. Prinzipien zum ökologisch kostengünstigen Bauen

1. Umschichtung vorhandener Gelder um ansonsten „zu teure Dinge“ zu finanzieren, z.B. statt mehrere Autos ein autofreies Wohnkonzept mit Carsharing und ein BHKW. Das ist eine bessere Dienstleistung und die ökologischere.
2. Wenn konventionelle Bau- und Siedlungstechnologie durch ökologische ersetzt werden können, wird die Ökovariante in einigen Bereichen sogar kostengünstiger als die konventionelle (z.B. dezentrale Entwässerung).
3. Mehrfachnutzung, Funktionsmischung eines Bauelementes: Permakulturprinzipien in der Gebäude- und Siedlungsplanung
Ökologische Planung von Anfang an
* integrale Planung mit kompetenten Ingenieuren, Technikern, etc. ab einem möglichst frühen Zeitpunkt, d.h. miteinplanen ökologischer Konzepte und Technologien von Anfang an. Umso später Planungsänderungen erfolgen, umso teurer werden sie
* professionelle Partizipation: spätere Änderungen sind wesentlich aufwendig und teuer. Die Moderationskosten in 4 Jahren des Modellprojektes Autofreies Wohnen Bremen-Hollerland werden mit weniger als 0,5 % der Investitionssumme für den Bau der Siedlung mit insg. über 200 Wohnungen genannt
* Prozeßsteuerung/ Kostenkontrolle/ Qualitätssicherung/ Projektmanagement
* gute Bauleitplanung
* Erdaushub (Keller) und Abraum (Asphalt und alte Barracken) sollen möglichst auf dem Gelände zur Landschaftsgestaltung verwendet werden
Baukonstruktion/ Baukörper
* Holzständerwand mit Wärmedämmung ist bei gleichem k-Wert dünner als eine Massivwand, dadurch mehr Wohnfläche
* kein Trockenwohnen!
* Brettstapeldecken und Wände (nach J.Natterer)
* Holzhäuser sind leichter, kleineres Fundament
* (Boden-)kanäle nicht nötig: konstruktivbedingte Hohlräume im Holzbau spart ca. 15 €/qm
* Modulares Bauen/ Rastersystem/ hoher Vorfertigungsgrad (Holzständer)
* kompakte Baukörper
* flaches Pultdach: nur eine Entwässerung, einfaches statisches System
* konstruktiver statt chemischer Holzschutz (witterungsbeständige Holzarten wie z.B. Eiche, Douglasie, o.a.)
* Beschränkung auf wenige Materialien
* Massenrabbatte
* Preisvergleich von Wandkonstruktionen mir gleichem k-Wert (Angaben LBTA-Vorlesung):
Holzkonstruktion: 92 €/qm (100%) (Holzständerbauweise mit konventioneller Wärmedämmausfachung)
Mauerwerk: 105 €/qm (114%)
Kerndämmung: 180 €/qm (195%) (11,5 cm KS, 4 cm Luft, 8 cm Styropor, 17,5 cm KS, Innenputz)
Bem.: die Preise sind allerdings sehr stark regional und saisonal schwankend. Wenn der Zimmerer viel Arbeit, der Maurer jedoch wenig zu tun hat, ist die gemauerte Wand unter Umständen günstiger zu haben. Weiterhin werden Kostenvorteile durch Vorfertigung im Holzbau durch Billiglohnarbeiter kompensiert

Bau
* Rationalisierung auf Baustelle, z.B. Putzmaschine, Einblas-Dämmstoff, …
* qualifizierte Betriebe

11. Baukostenbetrachtungen am Beispiel

Lehm
* Kosten und Wirtschaftlichkeit
Schon heute ist ein Lehmhaus, d.h. ein Haus, in dem weitgehend Lehmbaustoffe verbaut sind, nicht teurer als ein konventionell erbautes und dies in professioneller Ausführung durch Firmen. Mit dem Angebot von Lehmbaustoffen auf dem Baumarkt – heute in Anfängen erkennbar – wird die Anwendung selbstverständlicher und sicherer, die wachsende Nachfrage wird zur Konkurrenzfähigkeit von Lehmprodukten in weiten Bereichen beitragen.
Der Vergleich der Materialpreise mit anderen Baustoffen zeigt, daß Lehmbaustoffe heute schon teilweise billiger sein können und dabei den gleichen Zweck erfüllen. Zu berücksichtigen ist allerdings, daß die meisten Lehmbaustoffe nur nichttragend eingesetzt werden können. Als Ausfachungsmaterialien für Skelettbau und Fachwerkerneuerung sind viele Lehmbaustoffe schon heute konventionellen Baustoffen auch preislich überlegen.
* Verarbeitung in Selbsthilfe
Die meisten Lehmbaustoffe und -bauweisen sind für Selbsthilfe besonders gut geeignet. Die Techniken sind leicht zu erlernen und körperlich nicht zu anstrengend, so daß Laien, Helfer, Freunde und die ganze Familie eingesetzt werden können.
* Normen
Derzeit wird die Lehmbau-DIN, die 1971 zurückgezogen wurde, weil „veraltet“, überarbeitet und soll wieder eingeführt werden. Dies ist ein wichtiger Beitrag um Kosten zu senken.
* Bewertung
Zusammenfassend kann man festhalten, daß es kaum eine andere Bauweise gibt, die den heutigen ökologischen, bauphysikalischen und gesundheitlichen Überlegungen so entspricht wie der Lehmbau, der allerdings erst beginnt, durch die Initiative einzelner, zu einer modernen Bauweise entwickelt zu werden.
[S. 121 (12)]

Dachbepflanzungen
Bepflanzte Dächer speichern bis zu 90% des Niederschlagswassers und geben den Abfluß (10%) verzögert ab. Das hat die Vorteile, daß das Abwassernetz und die Kläranlagen nicht belastet werden, Regenüberlaufbecken bei verbreiteter Begrünung nicht notwendig, Vorfluter (amtsdeutsch: „Bäche und Flüsse“) nicht belastet sind und der Grundwasserspiegel nicht sinkt. Dachbepflanzungen absorbieren Schadstoffe aus der Luft und verbessern das Kleinklima, da im Sommer nur 8% der Sonneneinstrahlung wieder reflektiert wird. Dadurch erwärmt sich die Dachkonstruktion nur geringfügig im Gegensatz z.B. von Bitumendächern, die in Hitzeperioden und bei starker Sonneneinstrahlung Temperaturen bis zu 60 Grad erreichen können. Die starken Temperaturschwankungen bei Bitumenbedeckung führt zu hohem Wartungsaufwand und damit einhergehenden Kosten.

Autofreies Wohnen
* Bei einer Stellplatzzahl von 0,2 /WE für 300 WE wird der Bau von 240 Stellplätzen eingespart. Wären das Tiefgaragen entspricht das 240 x 20.000 € = 3,6 Millionen €, die gespart oder für andere Zwecke verwendet werden können.
* Leben ohne eigenes Auto spart im Schnitt ca. 75 bis 150 € je Monat [Verkehr in Zahlen 1989] bzw. im Extremfall: bis zu 1.500 € pro Monat [Mercedes 600S; Bad. Zeitung 23.3.94] bei gleicher jährlichen Fahrleistung von 13.000 km mit Bundesbahn, ÖPNV, Car-Sharing, Taxi, Fahrrad, zu Fuß gehen und Anlieferung von großen Gegenständen, wie z.B. Möbeln.

Erschließung
* Die Autofreie Erschließung mit schmaleren und gering befestigten, offenporigen Rad-und Fußwegen, die nur notfalls für Krankenwagen, etc. befahren werden können, sind billiger als asphaltierte Straßen
* Siedlungen als Großparzelle erschließen. Dadurch ist beispielsweise ein gemeinsamer Leitungsgraben für Strom, Wasser, Abwasser, Vakuumtoiletten, TV-Kabel, Tel.,etc… möglich die ansonsten aufwendig in extra Graben verlegt werden. Ein Tel. – und TV-Hauptanschluß in der Siedlung und die anschließend interne Verteilung ist preiswerter als jede Wohnung separat anzuschließen und hat den Vorteil des kostenlosen telefonierens innerhalb der Siedlung.

Energie
Beispiele für bewährte wirtschaftlich realisierte Energietechniken:
* Energiesparende Haushaltsgeräte:
Eine energie-und wassersparende Waschmaschine spart zwischen 140- 1200 € in 15 Jahren Lebensdauer
Stromsparkühlschrank spart zwischen 345 und 1.560 € Betriebskosten in 15 Lebensdauer
* Schwimmbadabsorber kostengünstiger als konv. Brenner
* Biomasse, wie z.B. Strohfeuerungsanlagen, Holzhackschnitzel, Biogasanlagen in Kläranlagen,…
* Holzhackschnitzel-Heizkraftwerke, Biogas-BHKW´s, Holzvergaseranlagen,…
* Niedrigenergiehäuser: Mehrkosten durch Zusatzdämmung zwischen 2,1 und 8,4% [Studie IWU, Darmstadt; S.228 (4) ] * Passivhaus: bauliche Mehrkosten des Pilotprojektes Kranichstein betragen mit 286 €/qm Wohnfläche etwa 16% der reinen Baukosten. Bei einer verbesserten, abgespeckten Variante (Verzicht auf ineffiziente Techniken, die im Pilotprojekt nicht die erwarteten Ergebnisse brachten) würden die baulichen Mehraufwendungen auf unter 13% der Baukosten sinken [S.230 (4) ] * Solare Nahwärme
Ravensburg: 50% Kostenreduktion bei Großkollektoranlage und Nahwärmeleitung gegenüber Einzelanlagen auf jedem Gebäude
Hamburg.Bramfeld: Einsatz von Solar-Roof-Fertigdachkollektoren. Kollektor als Dacheindeckung

Der Preis pro qm installierter Kollektorfläche liegt mit etwa 250 € bei solchen Größenordnungen (wie Friedrichshafen-Wiggenhausen (4450 qm Kollektorfläche) oder Hamburg-Bramfeld (3520 qm) nur noch bei einem Viertel von dem was Kleinanlagen kosten. Mit ca. 26 Pf./kWh Solarwärme sind solche Anlagen schon bald im Bereich der wirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit.“ [S.128 Art. „Integrale Energiekonzepte in Deutschland“ von N.Fisch und A.Lutz in „Solararchitektur für Europa“, Hrsg. Astrid Schneider, 1996]

Weltweit größtes Projekt ist in Marstal Fjernvarme, Dänemark mit 8000 qm Kollektoren und 2100 m3 Pufferspeicher mit spezifischem Wärmepreis mit 7 Pf/ kWh, was Wärmeerzeugungspreisen von Öl oder Gas entspricht. Die Anlage liefert 13% des jährlichen Wärmebedarfs. In den 3 Sommermonaten 100%.

Soziales
* gemeinschaftlich genutzte Einrichtungen sparen Geld (Gemeinschaftshaus, Car-Sharing, Werkstätten, Büroräume, Fotolabor, Sauna, Gästezimmer, Kinderspielzimmer, Mehrzweckräume, Waschküche, …) und reduzieren, wenn sie gut geplant sind, den Flächenbedarf in den einzelnen Wohnungen. Dafür besteht ein hörerer Organisationsaufwand (Regeln) und es ist mehr Kommunikation notwendig

Das Cohousingprojekt „Jystrup Savvaerket“, Dänemark
21 Wohneinheiten, Bezug: 1984, Gemeinschaftshaus 404m2, Wohnstraße 795m2
Das besondere an diesem Cohousing-Projekt ist die als Glasgalerie überdachte Wohnstraße. In früheren Projekten ohne Verglasung, ließen die Gemeinschaftshaus-Aktivitäten im Winter immer stark nach. Für die Benutzbarkeit der Gemeinschaftsräume ist es wichtig, daß man auch im Jogging-Anzug „kurz mal rübergehen“ kann. Durch die Glasüberdachung ist die Wohnstraße wettergeschützt und ermöglicht die ganzjährige Nutzung der Gemeinschaftsräume.

* Selbstverwaltung spart Verwaltungskosten

Baubiologie
* PVC-freie Kabel mit Abschirmung gegen Elektrische Felder haben zwar einen höheren Materialpreis (das 8 bis 10 fache). Da der Lohnkostenanteil jedoch der wesentliche Anteil ausmacht, betragen die Mehrkosten nur lediglich ca. 2% der Gesamtkosten bei halogenfreien Kabeln und 6- 8% bei Halogenfreien und abgeschirmten Kabeln. Viel stärker ins Gewicht fallen die Gründlichkeit der geplanten Leitungswege und des Versorgungskonzeptes. Hier kann die Materialmenge durch eine intelligente Planung die Materialmenge halbieren. Hier können wirklich Kosten gespart werden. [Angaben aus (12) Abschnitt 5.4] * …

Finanzierung
* Muskelhypothek durch Selbsthilfe kann helfen Kapitalkosten zu sparen, jedoch Vorsicht: realistische Einschätzung der Leistungsfähigkeit ist wichtig, um Bauverzögerungen und damit einhergehende Mehrkosten zu vermeiden
* Least-Cost-Planing
* Contracting
* Genossenschaftliche Finanzierungsmodelle
* gemeinsame Kreditaufnahme durch eine Bauherrengemeinschaft

Fördergelder
* Öko-Bonus für Energiesparmaßnahmen, Solaranlagen, etc. durch die Bundesregierung
* es können Baufördergelder in Anspruch genommen werden, wie für jedes andere Bauvorhaben auch
* zinsgünstigere ethisch einwandfreie Kredite bei Umweltbanken, wie z.B. Ökobank Frankfurt, Umweltbank, München, GLS Bochum
* kostendeckende Vergütung für Solarstrom ermöglicht die Finanzierung von Photovoltaik-Anlage
* Markteinführungs-Zuschüsse für neue Technologien

12. Ausblick

„…Ökologisches Bauen aus der Nische der Modellprojekte herauszuholen und ins Zentrum innovativer Bauprozesse zu rücken. Es muß gelingen, ökologisches Bauen zu einem relevanten Faktor der Bauwirtschaft zu entwickeln.“ Dr. Michael Vesper, Minister für Bauen und Wohnen NRW [S.1 (1) ]

Kostensenkung des ökologischen Bauens sind zu erwarten durch:
* größere Nachfrage
* Rationalisierung der Produktion
* Technische Weiterentwicklungen
* Standardisierung
* mit zunehmender Erfahrung der Baufirmen und Handwerker reduzieren sich „Angstzuschläge“ oder fallen weg
* mehr Vorfertigung
* Qualitätssteigerung
* bessere Vermarktung
* bessere Information
* kompetentere Planer

Literatur „preiswert ökologisches Bauen“
(hier gibt es eine aktuallere Fassung zu Veröffentlichungen zum Preiswerten Nachhaltigen Bauen udn Wohnen

(1) „Ökologisches & wirtschaftliches Bauen in der Praxis. Informationen für den Alltag. Tagungsband Ökobau-Kongreß 1996.“ Hrsg. Olaf Paproth/ Wolfgang Ruske. Synergie Holz! Verlag
(2) Öko-Bau Institut für ökologisches & wirtschaftliches Bauen, Krefeld, Selbstdarstellung, 1996
(3) „Kostengünstig ökologisch planen und bauen. Tagungsband des 5. Europa-Symposiums zum ökologischen Bauen am 3. und 4. Juni 1996 in Kopenhagen, Dänemark.“ Ministerium für Bauen und Wohnen des Landes Nordrhein-Westfalen.
(4) „Die Wirtschaftlichkeit des Ökologischen Bauens“, Tagungsband zur „terra-bau“ 1995 in Hannover
(5) „Ökologischer Siedlungs(um)bau.“ Hrsg. EA.UE (Europäische Akademie für städtische Umwelt), Berlin, in Kooperation mit Öko-Zentrum NRW, Hamm. 1996.
(6) Studie „Zukunftsweisender ökologischer Siedlungsbau in Europa – ein Erfahrungsbericht“. EA.UE, Berlin in Kooperation mit Öko-Zentrum NRW, Hamm. 1993 S.1 ff: Kosten- und Nutzenanalysen, Kapitel VIII/ S. 18 ff: Umsetzung dezentraler Systeme
(7) „Leitbilder für ökologisches Bauen. Auswertung realisierter Siedlungen und Einzelhäuser.“ Hrsg. Akademie für Bauökologie e.V. und Hochschule für Technik und Wirtschaft, Saarbrücken. 1996
(8) Positionspapier „Ökologisches Planen und Bauen“. Internationale Bauaustellung Emscher Park. 1996. S.23/ 24
(9) „Bauherrenpreis 1986 – 1996, Aktion: Hohe Qualität – tragbare Kosten. Möglichkeiten zur Kostenreduzierung im Wohnungsbau.“ Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau. 1996
(10) „Ökologische Architektur – ein Wettbewerb. 40 ausgewählte Bsp. für umweltbewußtes Bauen – Wohnen – Leben.“ Hrsg. Horst Kleiner. 1995
(11) „Umweltverträglicher Industrie- und Gewerbebau. Ein Leitfaden.“ Hrsg. UnternehmensGrün. 1996
(12) Baustoffe und Ökologie. Bewertungskriterien für Architekten und Bauherren. Hrsg. Haefele, Oed, Sambeth, Tübingen. 1996
(13) „Wer senkt die Wohn-Kosten?“ Joachim Brech, Holger G. Schwenzer (Hrsg.), 1984 Darmstadt

Hier gibt es eine neuere, erweiterte Literaturliste zum preiswerten, nachhaltigen Bauen und Wohnen